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NAS im Eigenbau

Alternative NAS Hard- und Software

Inhalt dieses Artikels:

    Wer nach einer NAS (Network Attached Storage) für den Heimgebrauch sucht, kommt an den Herstellern Synology und QNAP nicht vorbei. Beide Hersteller liefern kleine NAS-Komplettlösungen mit der Möglichkeit, Daten lokal oder über das Internet zu synchronisieren und beide verlangen für die verwendete Hardware nicht gerade wenig Geld.

    Beim Kauf einer dedizierten NAS werden OS- und Programm-updates von den Herstellern zur Verfügung gestellt, entsprechend geben diese auch vor, wie lange deren Hardware mit Updates versorgt wird. Die Rundum-sorglos-Pakete der namhaften NAS-Hersteller sparen bei der Inbetriebnahme sicherlich etwas Zeit, lassen sich dann aber nur innerhalb dem von den Herstellern zur Verfügung gestellten Funktionsumfang und auf deren Hardware betreiben. Als Betriebssystem kommt meist eine eigene Linux-Distribution zum Einsatz.

     

    Als alternativen Filesharing und Sync-Lösung bietet sich die freie Software Nextcloud, vormals Owncloud, an. Nextcloud kann auf nahezu jeder aktuellen Hardware, beziehungsweise auf verschiedensten Betriebssystemen, betrieben werden und bietet neben Sync-Clients für alle gängigen Betriebsysteme, darunter MacOS, Windows, Linux, BSD, Android und iOS unter anderem auch die Möglichkeit, am Smartphone den Kalender, Kontakte und Photos zu synchronisieren. Da Nextcloud auch als Docker-Version verfügbar ist, kann die Software auf jeder Plattform mit Docker-Unterstützung betrieben werden, theoretisch also auch auf einer NAS-Komplettlösung.

     

    Auf der Suche nach einer Hardware mit wenig Stromverbrauch bin ich als erstes natürlich auf den Raspberry Pi gestoßen, mangels SATA Anschlüsse später auf Mini-ITX. Im Mini-ITX Format gibt es kleine Mainboards inklusive passiv-gekühlter CPU mit bis zu 4 Onboard SATA-Ports und der Möglichkeit diese über PCI-EXPRESS auf bis zu 8 SATA Ports zu erweitern.

    Hardware

    Hier meine Einkaufsliste: 

    • 1xAsrock J3455-ITX ca. 80€
    • 1x8GB DDR3L SODIM 204-Pin ca.60€ (kann optional auf 16GB aufgerüstet werden)
    • 1xPicoPSU-90 ca 30€
    • 1x12V 6A Netzteil ca. 15€
    • 1xSSD HDD 250GB ca.40€ (Betriebssystemplatte)
    • Gehäuse vom 3D-Drucker ca. 5€ (Stimmt: dieser Posten ist etwas unfair, aber ja: ich habe einen 3D-Drucker und ja es stimmt auch, dass ich mit dem Design keinen Schönheitswettbewerb gewinne)

    ------------------------------------------------

    Gesamt ca. 230€ 

     

    zusätzliche Komponenten für den Betrieb von bis zu 8 Festplatten:

    • 1x4Port SATA III PCI-EXPRESS 2.0 x1 Controller Karte ca.30€ (damit haben wir insgesamt 8 SATA Ports und können neben der Betriebssystem-Platte noch weitere 7 Festplatten betreiben)
    • zusätzliche SATA Kabel und Stromverteiler für HDDs ca. 10€ 
    • 1xLüfter ca. 10€ (Für die Festplatten, das Board würde keinen Lüfter benötigen ..)

    ------------------------------------------------

    Gesamt ca. 280€ 

     

    Wow: Obwohl hier eigentlich kein Gehäuse dabei ist: teurer als gedacht, aber immer noch deutlich günstiger als eine vergleichbare NAS-Komplettlösung. Hey: die Hardware kann 8 SATA-Festplatten betreiben, hat 4 Kerne und 8GB RAM und eine SSD Festplatte für das OS. Zudem können mit dem Board J3455 bis zu 3 Monitore angeschlossen und einer davon mit 4K Auflösung betrieben werden, mehr dazu später ...

    Betriebssystem und Software

    Bei der Wahl des Betriebssystems habe ich mich für den Einsatz von OpenMediaVault (OMV) entschieden. OpenMediaVault basiert auf der Linux-Distribution Debian und bietet neben der Möglichkeit Nextcloud direkt zu installieren auch die Möglichkeit Docker-Container zu betreiben. Nach der Installation über einen USB-Stick oder einem ISO-Image erfolgt die Verwaltung der Laufwerke und deren RAID-Level mit Ausnahme BTRFS über eine komfortable WebGUI. Zudem gibt es für OMV zahlreiche Erweiterungen und Plugins. 

    Details zur Konfiguration:

    Ich habe der NAS zudem 2 Bildschirme angeschlossen und die in Linux-Mint eingesetzte Desktop-Umgebung Cinnamon nachinstalliert. Diesen Artikel verfasse ich also gerade auf der NAS ... Ist das dann eigentlich noch eine NAS oder schon ein Desktop PC?

    Stromverbrauch

    Der Leerlauf-Stromverbrauch der hier beschriebenen Hardware liegt bei gemessenen 8 Watt. Wichtig ist dabei der Einsatz einer PicoPSU anstelle eines normalen PC Netzteils, da ein normales PC Netzteil im Leerlauf ohne angeschlossenem Mainboard ca. 10Watt verbrät und der Stromverbauch dadurch unnötig hoch wäre. Eine 3,5" SATA Festplatte benötigt im Standby ca. 1Watt und im Betrieb ca. 5-7 Watt. Etwas Zeit hat mich auch der Standby-Modus der einzelnen Festplatten gekostet, siehe:  OMV HD-Idle .

    Alles in Allem benötigt die NAS auf Basis eines Mini-ITX-Boards in etwa soviel Strom wie eine vergleichbare NAS-Komplettlösung. 

    letzte Änderung dieses Artikels: 29.01.2019 07:23



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